8.1 IPv4-Grundlagen
Aufbau, Bitwertigkeit, MaskeWas ist eine IPv4-Adresse?
32 Bit, aufgeteilt in vier Oktette zu je 8 Bit. Beispiel: 192.168.10.25. Jedes Oktett kann Werte von 0-255 annehmen. Erst zusammen mit der Subnetzmaske erkennt man, welcher Teil das Netz und welcher Teil das Gerät beschreibt.
Bitwertigkeit innerhalb eines Oktetts
| Bit-Position | 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Basis | 2⁷ | 2⁶ | 2⁵ | 2⁴ | 2³ | 2² | 2¹ | 2⁰ |
| Dezimalwert | 128 | 64 | 32 | 16 | 8 | 4 | 2 | 1 |
Beispiel: Binär -> Dezimal
11000000 = 1·128 + 1·64 + 0·32 + 0·16 + 0·8 + 0·4 + 0·2 + 0·1 = 192
Warum Bitwertigkeit für Subnetting wichtig ist
Eine Maske wie 255.255.255.0 ist binär 11111111.11111111.11111111.00000000. Einsen = Netzanteil, Nullen = Hostanteil. Bei /24 sind 24 Bits für das Netz reserviert.
Merkbild: Die Maske zieht die Grenze
Man kann sich die IPv4-Adresse wie eine Anschrift vorstellen: Ein Teil sagt "in welchem Netz bin ich", der andere "welches Gerät bin ich". Bei 192.168.10.25/24 gehören die ersten 24 Bit zum Netz, die restlichen 8 Bit sind für Geräte frei -> Netz ist 192.168.10.0/24.
Merkkarte: wichtige Zweierpotenzen
| Potenz | 2⁰ | 2¹ | 2² | 2³ | 2⁴ | 2⁵ | 2⁶ | 2⁷ | 2⁸ |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wert | 1 | 2 | 4 | 8 | 16 | 32 | 64 | 128 | 256 |
8.2 Klassisches Subnetting
gleich große NetzeWarum Subnetting?
Ein großes Netz für alle Geräte ist unübersichtlich und unsicher. Subnetting baut daraus mehrere "Räume mit Türen" - jede Abteilung bekommt ein eigenes Teilnetz. Störungen lassen sich eingrenzen, Sicherheitsregeln sauberer setzen.
Prinzip: Hostbits ausleihen
Für gleich große Teilnetze werden Bits aus dem Hostanteil genommen und zu Netzbits gemacht.
Rezeptkarte: klassisches Subnetting
- Wie viele Teilnetze brauche ich? -> Anzahl notieren.
- Welche Zweierpotenz passt? -> kleinste ausreichende Zweierpotenz wählen.
- Wie viele Bits werden geliehen? -> Exponent = Anzahl geliehener Bits.
- Wie lautet die neue Maske? -> alte CIDR-Zahl + geliehene Bits.
- Wie groß ist ein Teilnetz? -> Hostbits bestimmen, 2^Hostbits rechnen.
- Welche Adressen sind nutzbar? -> Netz-ID und Broadcast abziehen.
Mini-Musterrechnung Subnetting
Aus 192.168.10.0/24 sollen 4 gleich große Teilnetze entstehen. 4 = 2² -> 2 Hostbits geliehen -> aus /24 wird /26. 6 Hostbits übrig -> 2⁶ = 64 Adressen/Teilnetz, davon 2 reserviert -> 62 nutzbare Hosts.
Schrittweite 64: 192.168.10.0/26, .64/26, .128/26, .192/26
Schnellübersicht: geliehene Bits -> Subnetze
| Geliehene Bits | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl Subnetze | 2 | 4 | 8 | 16 | 32 | 64 | 128 | 256 |
Beispielantwort: 8 Teilnetze aus /24
8 = 2³ -> 3 Bits geliehen -> aus /24 wird /27 (dezimal 255.255.255.224). Es bleiben 5 Hostbits -> 2⁵ = 32 Adressen, davon 30 nutzbar.
1. Subnetz: Netz-ID 192.168.14.0, Hosts .1-.30, Broadcast .31. 2. Subnetz beginnt bei .32 (Bereich .33-.62, Broadcast .63).
8.3 VLSM
unterschiedlich große NetzeWarum VLSM?
Sobald Abteilungen unterschiedlich groß sind, verschwendet klassisches Subnetting Platz (z.B. gleich große Netze für 154 und 5 Rechner). VLSM gibt jeder Abteilung ein Netz passend zum tatsächlichen Bedarf.
Rezeptkarte: VLSM
- Wer braucht am meisten? -> Abteilungen absteigend sortieren.
- Wie viele Adressen wirklich gebraucht? -> Rechner + Netz-ID + Broadcast + Router zählen.
- Welche Blockgröße passt? -> nächsthöhere Zweierpotenz wählen.
- Welche CIDR-Maske passt? -> Hostbits bestimmen, 32 − Hostbits rechnen.
- Wo beginnt das Netz? -> beim ersten freien Adressblock.
- Nächster freier Block? -> Netzgröße als Schrittweite weiterzählen.
Mini-Musterrechnung VLSM
Abteilung braucht 20 Rechner + Netz-ID + Broadcast + Router = 23 benötigte Adressen. 16 zu klein, also 32. 32 = 2⁵ -> Maske /27. Erstes freies Netz 192.168.20.0 -> Block 192.168.20.0/27, nächster freier Block 192.168.20.32/27.
Beispiel: kompletter VLSM-Plan (172.16.16.0/16)
| # | Abteilung | Rechner | +Zusatz | Bedarf | 2er-Pot. | CIDR | Netz-ID |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Fertigung | 154 | +3 | 157 | 256 | /24 | 172.16.16.0 |
| 2 | Versand | 110 | +3 | 113 | 128 | /25 | 172.16.17.0 |
| 3 | Konstruktion | 63 | +3 | 66 | 128 | /25 | 172.16.17.128 |
| 4 | Vertrieb | 25 | +3 | 28 | 32 | /27 | 172.16.18.0 |
| 5 | Personalwesen | 14 | +3 | 17 | 32 | /27 | 172.16.18.32 |
| 6 | Buchhaltung | 10 | +3 | 13 | 16 | /28 | 172.16.18.64 |
| 7 | Geschäftsführung | 5 | +3 | 8 | 8 | /29 | 172.16.18.80 |
Zwischenrechnung: 157+113+66+28+17+13+8 = 402 benötigte Adressen. /16 bietet 2¹⁶ = 65.536 Adressen -> reicht deutlich.
Praxis-Hinweis
Den Visual Subnet Calculator erst nach der eigenen Rechnung als Kontrolle nutzen, nicht davor - sonst lernt man das Verfahren nicht.
Glossar
Begriffsübersicht| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| IPv4-Adresse | Logische Adresse mit 32 Bit, vier Oktette zu je 8 Bit |
| Oktett | Achtergruppe von Bits, Dezimalbereich 0-255 |
| Subnetzmaske | Bitmaske, legt Netz- und Hostanteil fest |
| CIDR-Suffix | Kurzschreibweise der Maske als Anzahl Netzbits, z.B. /24 |
| Netzanteil | Teil der Adresse, der das Netz kennzeichnet |
| Hostanteil | Teil der Adresse, der das Endgerät kennzeichnet |
| Netz-ID | Erste Adresse eines Subnetzes, nicht an Hosts vergebbar |
| Broadcast-Adresse | Letzte Adresse eines Subnetzes, adressiert alle Hosts |
| Subnetting | Aufteilen in gleich große Teilnetze durch Ausleihen von Hostbits |
| VLSM | Aufteilen in unterschiedlich große Teilnetze nach Bedarf |
| Schrittweite | Abstand zwischen zwei Netz-IDs, entspricht der Netzgröße |
| Adressklassen | Historische Einteilung in Klasse A, B, C mit festen Bereichen |
Wenn's hakt
Hilfe bei BearbeitungsstillstandUmrechnung hakt
Wertigkeiten 128 bis 1 aufschreiben, Oktett von links nach rechts abarbeiten.
Maske unklar
Einsen der Maske von links zählen - diese Zahl ist bereits das CIDR-Suffix.
Anzahl der Bits passt nicht
Über die Zweierpotenzen gehen, den nächsthöheren Wert wählen, nicht den nächstniedrigeren.
Faden im VLSM-Teil verloren
Nur das größte Netz vollständig bearbeiten - die Systematik wiederholt sich danach.
Netze überschneiden sich
Schrittweite prüfen - jede Netz-ID muss ein Vielfaches der eigenen Netzgröße sein.
Ergebnis wirkt unplausibel
Netz-ID und Broadcast eines Teilnetzes binär nachrechnen, mit der Tabelle vergleichen.